Ich bin spät dran. Meine Website lag durch meinen Umzug nach München und meinen Fokus auf eine neue Arbeitsstelle eine ganze Weile brach.

Jetzt, am 24 Mai, sitze ich gerade an der DSGVO – dem neuen Grundrecht der persönlichen Daten, wie ich es nennen will. Für einen Website-Betreiber ein Horror, zumindest für mich.

Keiner kann eine eindeutige Auskunft geben, es sei denn ein hübscher 4-stelliger Betrag wandert zu einem Juristen, der, falls er falsch liegt, für seinen Fehler zahlt. Und wozu?

Das Recht der eigenen Daten

Mir geht es nicht darum, falsch oder richtig zu beurteilen. Zu sagen, ob die Gesetzesänderung richtig oder falsch ist. Schließlich wurde und wird mit Daten auch viel Schindluder getrieben. Angeblich.

Ich selbst habe davon noch nie etwas bemerkt, was aber vielleicht auch daran liegt, dass meine Passwörter nicht 1234 oder ähnlich lauten.

Mein Email-Postfach verfügt über einen Spamfilter (der in der Woche circa 5 Mails hat) und ansonsten geht mir diese ganze Datenangst ehrlich gesagt am Arsch vorbei.

Aber auch darum geht es nicht.

Schließlich ist das Recht auf das Verfügen über die eigenen Daten ein Grundrecht jeder Person, oder?!

Meine Daten – schluck die Pille

Ganz wortwörtlich. Wie weit sind wir eigentlich noch davon entfernt, dass ein Mensch darüber verfügen kann, welche Daten ein anderer Mensch über ihn sammelt? Wie lange dauert es noch, bis eine Person A gerichtlich verfügen kann, dass das Bild, was Person B von Person A im Kopf hat, nicht dem entspricht, was Person A gefällt – und Person B das per gesetzlich zu schluckender Pille zu vergessen hat?

Schließlich sind die Daten von Person A doch das Eigentum von Person A – und nicht von Person B?! Ob sich die Information nun im Kopf von Person B befinden, in dessen Tagebuch oder eben auf einer Website…

Wo ist die Grenze?

Oder besser – Was ist die Grenze?

Mir scheint, die Grenze wird von uns weniger im menschlichen Rahmen festgelegt als mehr im Technischen. Und mit diesem Mindset: sobald es eine Pille gibt, die (in Star Trek genannt) Erinnerungsengramme im Kopf löschen kann – warum nicht auch diese nutzen?!

Ich frage mich, wieviel von dem, was andere Menschen von uns wissen (oder glauben zu wissen), wir löschen würden, wenn wir denn könnten.

Widerspruch der Natur (mit Fragezeichen)

Im Hick-Hack der modernen und hochentwickelten Informationsgesellschaft (gekrümmter Sarkasmus) versuche ich immer wieder herauszufinden, was meiner Entwicklung dienlich ist, indem ich mich an der Natur orientiere. An dem, was mein Wesen ausmacht.

Nicht, dass ich so für eine Lösung auf ein richtig oder falsch komme. Denn richtig und falsch sind sowieso nur relative Begriffe, die im Rahmen der jeweiligen Zeit, selbst des Ortes oder der Umstände Anwendung finden können. Und in unserer hoch-rationalen, auf Schuldzuweisung und Egomanie fokussierten Kultur, wird das richtig und falsch eben gern so benutzt, wie der sich bedroht-Fühlende glaubt, auf rein rationale Weise den größtmöglichen Vorteil zu haben. (bedroht fühlend kann hierbei für alles stehen: Angst vor Verlust eines Vermögens, von Macht, Status, Einfluss, etc.)

Die Natur „befrage“ ich aus dem Grund, da sie meine Herkunft ist. Ein so komplexes, nachhaltiges und friedliches System – in dieser gigantischen Größenordnung – ist ein Wunder.

Noch dazu eines, das wir zerstören, obwohl (oder gerade weil?) wir so viel von ihr gelernt haben.

Und wenn ich die Natur frage, dann sehe ich, dass meine Daten (was ist das überhaupt, meine Daten?) eben nicht mir gehören. Das gesamte Zusammenleben von Menschen basiert darauf, dass wir uns gegenseitig kennenlernen. Sowohl im Guten als auch im Schlechten. Wobei gut und schlecht schon wieder Werturteile sind, die nur auf einer niedrigen Bewusstseinsstufe überhaupt Sinn ergeben.

Diese Analogie des gegenseitigen Kennenlernens führt sich fort in den Handel

Nehmen wir als Beispiel eine kleinen Friseur-Laden. Nadine, die Inhaberin, kennt ihre Kunden. Genau das schätzen sie so an Nadine. Denn jedes Mal, wenn jemand ihren Laden betritt, ist neben einem angenehmen Gespräch über die Feier, von der beide das letzte Mal erzählt haben, schon vorher klar, was ihre Kunden dort wollen.

Nicht etwa, die Haare geschnitten zu haben. Manche wollen ihr Shampoo – und Nadine weiß das natürlich, weil sie weiß, wann die Kundin das letzte Mal vor 2 Wochen zum Haareschneiden war. Unmöglich, dass sie jetzt schon wiederkommt – also kann es nur wegen des exklusiv bei ihr erhältlichen Shampoos sein.

Der nächste Kunde ist Nadine ebenso bekannt. Denn er hat keine feste Frisur – er probiert regelmäßig neue aus. Nadine kennt mittlerweile den Geschmack und empfiehlt ihm den neusten Trend – sie stößt auf guten Anklang.

Klatsch und Tratsch im Alltag

Das Beispiel von Nadines Friseur-Geschäft könnte ich ewig fortführen. Ganz normal, dass Nadine Daten von uns hat. Wir kommen uns auch nicht bedroht vor, dass das so ist.

Zudem wissen wir nicht, dass Nadine mit Kollegen über ihre Kunden spricht und so erst auf die neuesten Frisur-Trends aufmerksam wird. So gehen unsere Daten eine lustige Runde in wer weiß wie viele Ohren und bleiben im jeweils dazwischen sitzenden Denk-Organ hängen (das oftmals missbraucht wird als Quellen dessen, für was wir uns halten).

Doch nicht nur das. Erst gehen sie durch verschiedenste Filter, die dem Hirn vorgeschaltet sind und noch dazu bei jeder Person unterschiedlich sind. Und dadurch bleiben sie nicht nur im Hirn unvollständig kleben, sondern auch noch verfälscht.

Wir müssen also damit leben, dass unsere Daten im Kopf von Dritten vollkommen verfälscht sind und ein Mensch, der uns noch nie im Leben gesehen hat, uns nicht leiden kann, weil er mal etwas von uns gehört hat (auf der anderen Seite funktioniert das genauso. Menschen lieben uns wegen eines Bildes, das sie im Kopf von uns haben. Ich sage nur: Star-Kult).

Vom Handel zum E-Commerce

Kommen wir jetzt zu einem interessanten Punkt. Bewegen wir uns von Nadines Laden in einen Online-Shop.

Und schon sind wir bei der DSGVO. Übertrieben gesagt ist das Recht im Internet so, dass ein Mensch in Vollvermummung in einen Laden kommt – und wir sollen ihm sofort das passende Produkt anbieten, sonst geht er zum nächsten Laden. Und der ist nicht 15 Minuten durch den Regen laufend entfernt, sondern einen Mausklick.

Noch dazu erkennen wir bei unserem Vollvermummten nicht, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Und auch die Größe sehen wir nicht, da jede Vollvermummung standardisiert auf 2,50m ist.

Nun, wird schon schwieriger, den passenden Haarschnitt anzubieten, oder?!

Als nächste Herausforderung dürfen wir auch kein Gespräch führen. Aber wir dürfen mit unserem Vollvermummten reden.

Allerdings dürfen wir seine Antwort nicht wahrnehmen. So wissen wir auch nicht, welche Sprache er spricht oder versteht. Wir müssen also für alle Eventualitäten vorsorgen und das Gespräch läuft dann ungefähr so:

„Wenn Sie Haarschnitt Mann, Nr. 1 möchten, gehen Sie bitte auf Stuhl 1“

„If you prefer our trendiest haircut, just clap your hand twice and turn upside down. “

„Möchten Sie Haarschnitt Hund, Nr. 5, aber nicht für sich, sondern den Hund, den sie eventuell unter ihrem Vermummungsmantel tragen, dann setzen sie ihn in Hütte 7.“

PS: Möchten sie den Hundehaarschnitt für sich, werde ich von google gesperrt, denn diese Art des Produktes entspricht nicht den gesellschaftlichen Konventionen, die sich unbewusst verbreiten.

Zusammengefasst: Sind im Internet keine personenbezogenen Daten mehr

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Datenschutz ist sehr wohl ein Thema

Natürlich basiert die aktuelle Entwicklung nicht auf Spinnereien (zumindest nicht nur). Und wie das im Leben oft so ist, werden Menschen erst für ein Problem sensibilisiert, nachdem es zu schlimm wurde.

Gleichwohl ich im Detail nicht informiert bin, ist es selbst an mir nicht vorbeigegangen, was unsere Big-Player wie beispielsweise Facebook mit den Daten ihrer Nutzer so getrieben haben. Da war die Gier wohl größer als das Streben nach Menschlichkeit. Und wenn diese Verhaltensweise zu lange durchgezogen wird, dann ist es nur logisch, dass gesetzliche Reglementierungen kommen, die zumindest scheinbar etwas ändern.

Inwieweit das am Ende tatsächlich etwas ändert, weiß ich nicht. Ich bin derzeit überall mit Klicken auf „Ja, du kannst meine Daten verwenden“ beschäftigt, um Dienste weiterhin zu nutzen, die ich vorher schon nutzte.

Und so schnell wird aus einem richtig ein falsch – aus einem du darfst, ein du darfst nicht.

Auf was basieren die Entscheidungen zum Datenschutz?

Ich komme bei der Datenschutzdebatte nicht umhin, einen stinkenden Anflug von Angst zu vernehmen. Meiner Ansicht nach ist es die reine Angst (vor Daten-Missbrauch), die zur aktuellen Entwicklung führte.

Womit ich nicht sagen will, dass die Gründe für einen Handlungsbedarf unberechtigt sind.

Aber ich will mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, dass eine Entscheidung aus Angst noch nie eine Entwicklung hervorgebracht hat, die ein menschlicheres Leben fördert.

Das Gegenteil ist der Fall!

Sich im Leben (per Gesetz) gegen etwas zu versichern, dass eventuell eintreten kann, ist eine Handlungsweise, die Leben unmöglich macht. Dahinvegetieren ist weiterhin möglich. Aber Leben bedingt die Möglichkeit des Todes – schon allein im Wörtlichen Sinne, denn welche Bedeutung hätte Leben, wäre ein Tod nicht möglich?! (zumindest auf einer körperlichen Ebene)

Das mag jetzt übertrieben klingen, aber die Angst vor Datenschutz ist die Angst vor einem kleinen Tod. Sei es das unberechtigte Abbuchen von meinem Konto, Rufmord im Netz oder das Erstellen eines Fake-Profils.

Kommen wir zum Schluss

Aus Erfahrung weiß ich ja, dass meine Aussagen für Kontroversen sorgen. Und letztendlich nehme ich das in Kauf. Denn mein Anliegen ist, wie zu Beginn geschrieben, nicht, falsch und richtig zu erklären, sondern einen Sachverhalt aus Sicht der Menschlichkeit, Bewusstheit und Lebensfreude zu beleuchten.

Und rein aus dieser Sicht komme ich zu folgenden Schlussfolgerungen:

Lebensfreude bedingt Möglichkeiten: die neue Datenschutzverordnung grenzt Möglichkeiten ein und ist aus dieser Sicht ungünstig. Einfach mal eine Website machen und mich freuen, der Welt etwas zu geben? – Fehlanzeige!

Menschlichkeit bedingt Vertrauen: erst der Bruch des Vertrauens, den jeder Mensch Internet-Unternehmen wie google, facebook, instagram etc. gegeben hat, brachte Gedanken wie den der DSGVO auf den Weg. Aus diesem Punkt scheint mir die Datenschutzverordnung der verzweifelte Versuch, gesetzlich Vertrauen zu erwirken. Ein verständliches, aber sinnloses Mittel.

Zusammenleben und Massenpsychologie: In unserer globalen Welt ist jeder mit jedem vernetzt. Fällt in China ein Sack Reiß um, reißt mich mein Handy am Nordpol um 3:30 Uhr aus dem Kälteschlaf. Furzt der Marsmensch die SpaceX-Rakete an, geht mein instagram-Stream live, komme was da wolle.

Rein durch die bloße Anzahl von 8 Milliarden Menschen ist es logisch, dass „schlimme“ Dinge (Achtung, Werturteil) passieren müssen. Gleichwohl und gerade weil das niemand von uns erfahren möchte (die Erfahrung selbst aber dennoch aus Sicht von Lebensfreude und Menschlichkeit wertvoll sein kann, wenn sie denn verarbeitet ist), betreffen die meisten Menschen „schlimme“ Informationen immer und sofort.

Die Datenschutzverordnung ist meiner Ansicht nach genau durch dieses (dumme) Herdenverhalten erst notwendig geworden und zustande gekommen. Vielleicht ist sie sogar richtig, dienlich aber mit Sicherheit nicht.

So ist der Artikel neben einem gewissen Unterhaltungsfaktor wiedermal mit einer Sache zu beschreiben: mehr Bewusstheit eines jedes einzelnen Menschen führt zu einem liebevolleren Umgang mit sich selbst und miteinander – und der macht solche Dinge wie die DSGVO unnötig, da sie aus einem liebevollen Denken heraus vollkommen sinnlos sind.

PS:

Ich weiß ehrlich gesagt langsam nicht mehr, was ich noch alles managen soll. Meine privaten Daten auf jeder mit dem Internet verknüpften Plattform/Webseite/App/Zerankochfeld/Personen- & Küchenwaage, Waschmaschine …, dort ein Tool, da ein Network, auf Arbeit auch noch 5 gemanagte Manager managen.

Lasst mich alle mit diesem Müll in Ruhe – ich brauch eine Pause. Ich geh in den Wald vögeln zuhören (scheiße, musste das Vögeln nicht großgeschrieben werden?!)

PPS:

  • Was hat die DSGVO gebracht? Meine Datenschutzerklärung ist jetzt gefühlt doppelt so lang. Also noch mehr Dinge, die sich niemand durchlesen wird, der mir nicht eins auswischen möchte.
  • Das Fach-Chinesisch ist noch schlimmer geworden. Der Besuch jeder Internetseite setzt nun das Lesen von geschätzt 3 DIN A4-Seiten voraus. Dabei will ich doch nur ein neues Koch-Rezept?!
  • Auf jeder Website muss ich nun auch noch beim Zugriff auf YouTube, Facebook oder andere Dienste extra zustimmen. Und das nicht einmalig – sondern für jede Website! Lebt das freie Internet noch??? Es röchelt. Doch auch daran werden wir uns gewöhnen – und vielleicht von ihm abwenden. Hin zu mehr Menschlichkeit und weniger Screen-On Time

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