Dr. Erfurt is operating. Eben noch als Web-Entwickler, jetzt als Bewerbungshelfer.

Für mich selbst.

Na herzlichen Dank!

So richtig passe ich irgendwie in keinen Topf. Wie hieß es doch bei Apollo 13?! Das Runde muss in das Eckige.

So oder so ähnlich geht es mir auch.

Während ich bei meinen selbstständigen Projekten stets andere Menschen zufrieden und glücklich gestimmt habe, fällt mir das bei meinen Bewerbungen noch nicht ganz so leicht.

Klar, dass das an mir selbst liegt. Vorallem daran, dass es mir schwer fällt, mich auf eine Sache festzulegen.

Mein ganzes Leben lang habe ich die Dinge getan, die mich interessiert haben und mich darin weiterentwickelt. Abschlüsse sind eben nebenbei so herausgekommen.

Und irgendwie hab ich das Gefühl, bei Bewerbungen ist das nicht erwünscht.

Be strict, motherf***er

Neulich, auf einem Bewerbertag war ich von 5 anderen Menschen für den gleichen Job umgeben. Bei der Selbstpräsentation war ich als 5. von den 6 Leuten dran und schon nach der 2. Präsentation hab ich mich irgendwie falsch gefühlt.

Ich dachte ja, es geht darum, sich selbst zu präsentieren. Aber was ich mir da anhören musste, war ein Lebenslauf nach dem anderen, gespickt mit all den tollen Sachen, die jeder auswendig in der Uni gelernt hatte.

Sidenote: Respekt, was da einige vollbracht haben! Ich bin mir mächtig unterbelichtet vorgekommen.

Wie ich also da sitze und mich frage, ob ich gleich gehe oder erst später, dachte ich mir: “Mir egal, was hier alle machen. Ich zieh mein Ding durch.”

Und so geschah es. Ich stand vorn und erzählte, anhand des Konzeptes der logischen Ebenen, wer ich bin. 5 Fakten – 5 Geschichten und ein open end.

So präsentiert man eben, wenn man sich nicht hat Fachchinesisch in der Uni eintrichtern lassen.

Der Job war eh nichts für mich

Zwar ging ich mit einem ganz guten Gefühl aus dem Bewerbertag, aber recht schnell wurde mir klar, dass Kommunikations- & Eventmanager wohl doch nicht mein Spezialgebiet ist.

Woher soll ich auch diese ganzen Begriffe kennen. Anscheinend tun das alle Menschen um mich herum. Bei mir gehen allerdings größtenteils Fragezeichen auf.

Meine Skills in irgendwelche Begrifflichkeiten zu pressen liegt mir einfach nicht. Ich mag mich nicht von der grenzenlosen Möglichkeit des überall Lernens abgrenzen.

Dabei lese ich dauernd: Begeisterung, Motivation und Engagement sind gefordert.

Ja, wo denn?

In einem kleinen Schneckenhaus, während die Party überall spielt?! Das ist nicht meins.

Aber gut. Nach dieser Bewerbung hatte ich noch diverse andere Gespräche. Als Excel-Trainer, als Personal… ach wie hieß das gleich?! Der Typ, der dir in der Zeitarbeitsfirma Jobs vermittelt.

Klang ganz gut. Menschen begleiten, Gesprächsführung, Empathie – stand da. Am Ende war es Menschenhandel. Nicht so meins.

Mehr Geschichten?
her damit!

Warum finde ich aber auch zu allem in meinem Lebens-”Lauf” etwas, das scheinbar passt. Liegt vielleicht daran, dass ich nicht wirklich einen Lebenslauf habe, sondern eher einen Pudding. Alles, was lecker ist, findet sich darin wieder und soll nun säuberlich getrennt werden, um in eine der im Jobmarkt angebotenen Kästchen zu passen.

Warum ich mich überhaupt bewerbe

Primär geht es schon ums Geld. Dass ich langfristig Menschen helfe, sich weiterzuentwickeln, ist mir klar. Das tue ich ja jetzt schon. Nur ist mir dort der monetäre Aspekt gar nicht so wichtig.

Aber von irgendetwas leben, bis die Geschichte läuft muss sogar ich 😁 Also ab – Job suchen und glücklich werden. So oder so ähnlich ist der Plan.

Dass sich das so schwierig gestaltet, hätte ich allerdings nicht erwartet. Scheinbar passe ich mit meinem Lebenspudding und 29 Jahren nicht so recht in den straighten Arbeitsmarkt.

Dabei hab ich schon einiges gehört: “Du haust mit deiner Bewerbung zu sehr auf die Welle”, “bei dem, was in deinem Lebenslauf drin steht, kannst du entweder alles oder nichts”, “dein Lebenslauf und dein Wesen sind total anders – lass dich nicht zu sehr durch die Mühlen der Arbeitswelt drehen”.

Dabei leb ich doch nur einfach mein Leben

Ich hau nirgendwo auf den Putz. Und irgendwelche Mühlen werden mich sowieso nie sehen.

Für mich ist Weiterbildung eben nichts, was man nur im Beruf tut. Vielleicht kommt es daher, dass mein Skillset nach 5 Jahren mit fertigem Uni-Abschluss ein wenig diffiziler ist als das eines für die Angestellten-Welt Geborenen.

Und was fang ich nun damit an?

Ich erwähnte ja bereits… Ich habe keine Ahnung, welches Job-Label das ist, was ich eigentlich tue & tun will.

Aber einen netten Anknüpfungspunkt erhielt ich während des Gesprächs mit einer Personalberaterin (stimmt… So hießen die Menschenhändler in den Zeitarbeitsfirmen).

Sie sagte mir: “Wenn ich dir so zuhöre mag ich dir einen Tipp geben. Damit schieße ich mir zwar selbst ins Bein, aber du solltest es mal mit der Personalentwicklung probieren. Coaching, Menschen bei ihrer Entwicklung begleiten und deren Erfolge miterleben könntest du genau dort erleben.”

So lernte ich mal wieder ein neues Kästchen kennen, dass scheinbar ganz passabel klingt. Eines, in dem ich vielleicht das finde, was ich suche.

Und jetzt auch noch die Branche…

Was ich während meines Bewerbungs-Marathons herausfand, war, dass ich definitiv nicht in der Industrie arbeiten will. Auch nicht in der Personal-Entwicklung. Menschen zu entwickeln, unseren Planeten mit unnützen Produkten noch mehr zu zerstören ist einfach nicht das, wozu ich meine mir gegeben Fähigkeiten einsetzen will.

Da streik ich. Zur Not im Hungerstreik auf der Straße.

Wenn mein Zutun der Welt nicht nützt, sondern Schaden bringt – ist es da nicht besser, nichts zu tun?!

Außer mir sehen das die meisten nicht so. Ein “auch du musst von irgendwas leben” oder “das macht jeder so” ist die häufigste Antwort auf meine Bedenken. Für mich ist das Feigheit. Menschen mit dieser Einstellung wollen den Zustand unserer Welt, so wie er heute ist (auch wenn sie gegenteiliges behaupten).

Ich will das nicht. Ich will mehr Liebe, mehr Zusammenhalt, mehr Freude und Glück. Es muss doch auch noch eine Möglichkeit geben, eine herausfordernde Aufgabe mit diesen Werten zu bekommen. Unsere Welt kann doch noch nicht so abgeguckt sein, dass sie nur noch gegeneinander lebt.

Das glaub ich einfach nicht!

Und so schau ich mittlerweile bei Sozial-Unternehmen.

Dort Jobs zu finden gestaltet sich als schwieriger, da sie selten auf großen Stellenbörsen ausgeschrieben sind. Aber das hat auch sein Gutes. Es erfordert mehr Initiative – heißt weniger tun es – heißt weniger Bewerber (und dafür besser motivierte) – heißt eine noch größere Chance auf Erfolg.

Und bei 30% Einladungsquote, die ich bisher hatte, werde ich sicherlich hier etwas finden. Und wenn es nur ist, um herauszufinden, ob es zu mir passt.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, harre der Dinge die da kommen und freue mich, neue Menschen kennenzulernen, denen ebenfalls das Gute der Welt am Herzen liegt.

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