In meinem ersten Artikel auf der Website schreibe ich davon, ein Leben aufgegeben zu haben und mein Leben begonnen zu haben.

Was ich damals noch nicht wusste, ist, dass es der Beginn einer Reise war.

Der Beginn einer Reise, die ich heute als Leben bezeichne.

Viel zu viele Menschen habe ich kennengelernt, die Idealen nachjagen, die sie im Inneren nicht befriedigen; aber der Porsche sieht halt toll aus oder das dicke Bankkonto bringt Sicherheit.

Da ich in meiner Jugend nicht das leben konnte, was ich wollte, denke ich heute anders.

Es gibt keine Sicherheit

Würde ich nach oberflächlichen Kriterien entscheiden, wäre mein Leben ein reines Chaos.

Mit 29 hat man gefestigt zu sein. Ja, da hat man einen guten Job zu haben. Oder Familie. Oder beides.

Tatsache in meinem Leben ist, dass die Zeit für beides in meinem Leben noch nicht reif ist.

Oder besser war.

In den letzten Artikeln habe ich meine Erfahrungen nach meinem Umzug nach München beschrieben. Das ging einher damit, einen Job zu finden, um weiter meinem Traum als Trainer, Coach & Public Speaker tätig zu sein, nachjagen zu können.

Und was ich seit dem letzten Artikel Ende August erlebt habe, ist der absolute Wahnsinn!

Von der Lebenslüge zum Sprung ins kalte Wasser

In meinen letzten Jahren hatte ich mich so daran gewöhnt, mit Hilfsjobs und Freelancing-Tätigkeiten zu überleben, dass ich schon vergessen hatte, wie sich ein Mensch verhält, der einen Traum in die Wirklichkeit umsetzt.

Und was alles dazu gehört …

Doch eigentlich fing alles mit einer Freundin an, die ich in meinem alten Job als Finanzberater kennenlernte.

Vom Alter her könnte sie meine Mutter sein. Wir hatten zeitgleich das on-the-Job Training begonnen und haben uns auf der 6-stündigen Autofahrt viel unterhalten.

Sie tut den Job für ihre Tochter, der sie den Traum erfüllt hat, in Mailand Design zu studieren. Die Privat-Uni muss wohl sauteuer sein.

Für mich war allein diese Motivation faszinierend!

Es ist gleichbedeutend mit unbedingter Liebe, seinem Kind die Träume des Herzens zu ermöglichen, auch wenn es für sie harte Arbeit ist und sie Dinge tut, die sie für sich allein nicht tun würde.

Und so hangelten wir uns von oberflächlichen Themen schnell zu dem durch, was Menschen wirklich bewegt.

Was Menschen bewegt
Unergründliche Wege der Intuition

Ein Coaching und der Bumerang

Ich erfuhr, dass meine Freundin ebenfalls als systemischer Coach arbeitet und Menschen in der Selbstständigkeit erfolgreich gemacht hat.

Wir sprachen über unsere Familien und stellten fest, dass wir beide nicht die einfachsten Konstellationen haben – wie viele andere auch.

Wir fragten uns, warum das so ist und wie wir etwas tun könnten, für mehr Liebe auf dieser Erde zu sorgen.

Schnell stand für mich fest, dass ich mir von ihr in meiner Selbstständigkeit helfen lassen wollte, denn ich ergreife jeden Strohhalm, der mich meinem Traum näherbringt – wenn, ja wenn ich bemerke, dass der andere Mensch ebenfalls die Liebe im Herzen trägt.

Und so saßen wir Donnerstag-Abend nach einem anstrengenden Trainingstag im Zimmer und ich erzählte ihr von meinem Trainer-Traum und davon, dass ich Menschen helfen will, an sich selbst zu glauben.

Bis dahin war noch „alles in Ordnung“.

Doch schnell stellte sich heraus, dass ich noch ein paar dunkle Gestalten mit mir herumschleppte.

So verbrachte ich mein Wochenende in der Heimat damit, meine Geschichte noch einmal zu durchforsten. Ich ging an Orte, mit denen ich viele Erinnerungen verband – und nicht immer die schönsten.

Reue war mein ständiger Gefühls-Begleiter.

Ich wusste nur noch nicht so recht warum.

Da eine Situation, warum ich nicht das tun konnte, was ich wollte.

Dort ein Augenblick, wo ich mich nicht traute, das hübsche Mädchen anzusprechen.

Es waren dunkle Erinnerungsfetzen. Waren die meisten Sachen doch schon 10 oder mehr Jahre alt.

Von Liebe und anderen Blockaden

Am nächsten Montag – wir wieder am anderen Ende von Deutschland, saßen wir erneut zusammen.

Ich erzählte meiner Freundin von der Reue. Alles lief auf meine Eltern hinaus und die Frauen.

Felsenfest ging ich davon aus, dass da noch ein paar destruktive Glaubenssätze waren, die ich von meinen Eltern gelernt hatte, aber noch nicht bewusst gemacht und aufgelöst hatte.

Das nennt sich wohl Berufskrankheit.

Wenn du selbst von Persönlichkeitsentwicklung und Coaching Ahnung hast, dann gehört einiges dazu, sich auf einen anderen Menschen einzulassen, der dich anleitet.

Doch es ist nötig. Denn an dir selbst kannst du nur schwer arbeiten. Und manchmal überhaupt nicht.

Und so saß ich da, angespannt und gespannt, was nun passieren würde…

Und das, was in den folgenden Minuten, Stunden und Tagen geschah, hätte ich mir niemals denken lassen!

Denn meine Eltern, wie von mir erwartet, blieben diesmal außen vor. Stattdessen kümmerten wir uns um meine verlorenen Liebschaften aus der Jugend und stießen schnell auf eine Bombe.

(Eine Bombe ist diejenige Frau auf jeden Fall – aber so ist das hier nicht gemeint.)

Die Liebe meines Lebens?

Nach der Überschrift lässt sich ja vermuten, was nun folgt:

Wir kramten die Frau ans Tageslicht, die ich seit nunmehr 12 Jahren lieb(t)e.

Ein bildhübsches Mädchen, dass ich mit 17 kennenlernte und ironischerweise ein Date eines damaligen Kumpels mit ihr organisierte. Richtig schön mit Kerzen, Wald und Romantik …

Dass man die Frau eines Freundes nicht angefasst, war schon damals ungeschriebenes Gesetz und so schluckte ich das, was ich für sie empfand, immer herunter.

Und so verging die Zeit – ein Jahr, zwei Jahre. Irgendwann war sie nicht mehr mit meinem Kumpel zusammen, aber hatte jemand Neuen.

Ich hatte mich schon so daran gewöhnt, diesen Schmerz der nicht kommunizierten Liebe zu ertragen, dass es mir im Traum nicht einfiel, es zu diesem Zeitpunkt zu tun.

Dazu kam, dass ich bis 23 so wenig Selbstliebe hatte, dass mich eine Ablehnung wahrscheinlich zerstört hätte. Wie oft mich damals dieses Gefühl durch dunkle Zeiten gerettet hat …

Auf jeden Fall verloren wir uns irgendwann aus den Augen, auch weil 2014 nach Wien zog.

Innerlich hatte ich das Gefühl, was oft präsent war – es verging kein Monat, wo ich nicht an sie dachte – unter der Frau meines Lebens abgespeichert.

Jede Frau, die ich kennenlernte, musste sich daran messen … was natürlich nicht funktionieren konnte.

Und so schlich ich durch die Zeit, ohne zu bemerken, was ich mir mit 17 angetan hatte.

Bis mich meine Coaching-Mutti-Freundin darauf aufmerksam machte.

Energie im Fluss

Energie, was auch Liebe ist, muss fließen. Und ich hatte sie 12 Jahre in mir angestaut. Die Mauern waren fest und undurchdringlich.

Ich weiß, dass ich ein schlaues Köpfchen bin, vor allem wenn es um Logik geht.

Und so war die Liebe hinter einem ausgeklügelten System, dass niemand durchdringen konnte, fest eingesperrt.

Meiner Coaching-Mutti war das egal. Ich weiß nicht, ob mir in meinem Leben schon mal ein so alter Mensch mit einer so reinen kindlichen Art begegnet ist. Ich glaube nicht. Ich halte das für einen Segen für die Menschheit.

In diesem Falle – ein Segen für mich. Den ohne groß zu zögern war die Message klar: „Du rufst jetzt deine Liebe an!“

Dabei spielte keine Rolle, dass ich die Nummer gar nicht mehr hatte.

Ich wusste ja, wie ich an ihre Nummer komme.

Und gleich der starken Mauern, hinter denen die Liebe gefesselt lag, war meine Reaktion.

Ich sprang im Sessel auf. Innerlich löste sich alles: Angst, Unwohlsein, Zittern. Die Dämme brachen und ich wehrte mich mit aller Kraft.

Ich wollte nicht, dass da ans Tageslicht kommt, was an die Oberfläche gehört.

Doch im Innern wusste ich, dass es richtig ist. Und die Liebe zum Leben und dem, was ich für Menschen tun will, besiegte meine Angst.

12 Jahre und ein Moment

Wie schön war es, mit ihr am Telefon zu sprechen. Ich fühlte mich wie damals mit 17. Wir sprachen knapp 2 Stunden. Nachdem wir uns 5 Jahre nicht gesehen oder gehört hatten.

Ich war Feuer und Flamme und fragte mich, wie das mit einem Menschen geht, den ich so lang nicht gesehen habe.

Ist Liebe nicht etwas, dass entsteht, wenn man sich sieht?

Darf ich so überhaupt empfinden?

Ist es nicht verrückt, das für die Liebe meines Lebens zu halten?

Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Nur meine Coaching-Freundin konnte mir hier helfen, indem sie sagte: Wenn du so empfindest, ist das richtig so. Punkt.

Es half mir, mich an dieser Stelle anzunehmen, wie ich bin.

Und so konnte ich einen Teil in mir integrieren, den ich vor langer Zeit abgespalten hatte. Vor so langer Zeit, dass ich schon selbst nicht mehr wusste, dass er existiert.

Dass ich die vermeintliche Liebe meines Lebens dann eine Woche später sah, ist nur noch Randnotiz. Es war eine schöne Zeit. Und irgendwie stotterte ich dann in der wahrscheinlich unpassendsten Situation irgendwas von Liebe und schon seit wir uns kennen. Blablabla.

Es war der Moment, wo ich gab, was nicht mir gehörte. 12 Jahre hatte ich eine Energie beansprucht, die ein Geschenk für einen anderen Menschen war.

Liebe ist der Weg

Was ich in meiner jüngeren Vergangenheit immer offener und mit tiefgreifenderen Gedanken fabriziere, ist, sie voller Liebe zu kommunizieren.

Und meine Coaching-Mutti half mir, dass auch mit dem tiefsten Gefühl, was uns Menschen vorbehalten ist, zu schaffen.

Ganz ehrlich – noch vor 2 Wochen hätte ich die Liebe meines Lebens geheiratet. Heute glaube ich, für sie war das wie Brötchen backen. Zwar ungewohnt und unerwartet, aber bewegend und auf Gegenseitigkeit beruhend fühlt sich wahrscheinlich anders an.

Das Gestehen der Liebe, was ich vor 12 Jahren als meinen persönlichen Tod identifiziert hatte, entpuppte sich nun als ein lächerliches Stück Staub, das vom Wind des Lebens weggetragen zu werden scheint. Wer weiß, wie das weitergeht …

Aber fakt ist eines – diese Situation hatte mich tief bewegt.

Die vermeintliche Liebe meines Lebens ließ mich die sichere Lüge meines Lebens erkennen.

3 Tage später kündigte ich meinen Job als Finanzberater. Auf liebevolle Art und Weise.

Das war letzte Woche. Eine Woche von tiefster Verbundenheit zum Leben.

Mit seinem Chef 2 Stunden über die Gründe der Kündigung zu reden und gesagt zu bekommen:

„Herr Erfurt, ganz ehrlich … Tun Sie es genau, wie sie es mir gesagt haben!“ … das fand ich außergewöhnlich.

Ich hatte den Segen eines anderen Mannes – und auch noch eines, dem ich gerade gekündigt hatte.

Dass ich dann auch noch auf genauso liebevolle Art und Weise eine oberflächliche Beziehung beendete, die doch sehr tiefgreifend war … das war dann auch kein Wunder mehr.

Intuition – die Stimme des Lebens

Alles, was ich in dieser Woche tat, folgte meiner inneren Stimme.

Ich hatte durch den Vorfall mit meiner Lebens-Liebe gelernt, Liebe authentisch zu kommunizieren, egal wie stotternd.

Und so fühlte ich mich ergriffen, während ich die Dinge tat, die zu tun waren.

Egal, wie schwer sie waren.

Als Folge behandelten mich alle Involvierten aufrichtig, ehrlich und ebenso liebevoll. Denn das war, was auch ich ihnen entgegenbrachte.

Und so kam es, dass ich letzte Woche zum erste Mal am eigenen Leibe erfuhr, was alles dazugehört, meinem Trainer-Lebenstraum nicht mehr im Weg zu stehen.

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