Es ist irgendwann Mitte 2017. Ich sitze gerade mit einem guten Freund zusammen.

Er studiert, hat im Gegensatz zu mir sogar mit dem Master weitergemacht, ist super diszipliniert und gerade vor der nächsten Prüfungsphase. Aber irgendwo klemmt es. Die Motivation ist irgendwo im Süden baden und die Perspektive scheint in Dunkel-Schwarz gemalt zu sein:

Was will ich wirklich?

Das war seine Frage.

Es ist kein intellektuelles Spiel

Was sollte ich auf diese Frage antworten?!

Ich weiß zwar für mein Leben, was ich will, aber einfacher ist es trotzdem nicht.

Im Grunde sitzt er in dem Boot, dass er glaubt, nicht zu wissen, was er will und ich sitze in dem Boot, zu wissen, was ich will, aber gegen jede gesellschaftliche Vernunft ankämpfen zu müssen, um mir damit ein Leben aufzubauen.

Eine Sache ist mir allerdings schon lange Zeit klar, die ihm noch nicht so geläufig ist: Zu wissen, was man will, ist kein intellektuelles Spiel.

Es funktioniert nicht, sich stunden-, tage-, wochen- oder jahrelang hinzusetzen und zu überlegen. Denn die Frage nach dem, was du wirklich willst, ist im Grunde keine geringere als die Frage, wer du in deinem Leben sein willst.

Was will ich wirklich ist Selbstfindung

Diese innere Leere, die einen dazu bringt, sich zu fragen, wer man ist und was man will, ist ein typisches Phänomen der Selbstfindung. Wie auch bei mir und meinem Kumpel, kommt diese Phase meist zu Anfang bis Mitte der Zwanziger.

Ich hatte meine Selbstfindungsphase, begleitet von depressiver Stimmung, absoluter Sinnlosigkeit und dem „guten Freund“ – Gras rauchen – mit 21. Mein Kumpel war 25, als ihn (mal wieder) die Sinnlosigkeit in seinem Studium plagte.

Erfolgreich hatte er ähnliche Phasen bereits mit immer stärkerem Druck verdrängt und ins Unbewusste verschoben. So gehen die meisten Menschen damit um.

Selbstfindung lässt sich allerdings nicht verschieben und so kommt die Frage „Was will ich wirklich“, begleitet von immer stärkerer innerer Leere, in regelmäßigen Abständen wieder.

Sicher hast du schon mal von der Midlife-Crisis gehört. Das ist genau die gleiche Sache. Sie trifft diejenigen Menschen in ihren Vierzigern, die die Selbstfindungsphase in ihren Zwanzigern missachten.

Das meine ich ganz wertungsfrei, denn wer bin ich schon, das Leben anderer Menschen zu bewerten. Aber eine Sache ist klar: Wenn du nach Erfüllung in deinem Leben strebst, solltest du in dich gehen und auf dich hören.

Vernunft vs. Intuition

Wie oben im Vergleich von mir und meinem Kumpel schon angedeutet, hat alles seine Vor- und Nachteile. Und eigentlich ist es zu kurz gegriffen, nur bis zur Frage „Was will ich wirklich?“ zu denken.

Denn deine Antwort darauf benötigt einen Maßstab, an dem du entscheiden kannst, was für dich richtig und falsch ist.

Wenn du wie mein Kumpel bist, dann hast du einen genauen intellektuellen Plan. Jetzt mache ich meine Ausbildung und ein Praktikum in einem passenden Bereich. Danach bewerbe ich mich bei einer Firma, wo meine Ausbildung mit meinem Lebenslauf perfekt hineinpasst und dann mache ich richtig Schotter!

Und wenn ich dann soviel Geld habe, dass ich mir um Geld keine Gedanken mehr machen muss, überlege ich mir, was ich mit meinem Leben anstelle.

Kommt dir bekannt vor?!

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So funktioniert der Kopf. Ein wunderschöner Plan, logisch organisiert und perfekt ausgearbeitet.

Das würde auch funktionieren, wenn … ja, wenn wir Roboter wären.

Dummerweise sind wir aber Menschen und verfügen deshalb über mehr als nur den rationalen Kopf.

Eigentlich ist das Gehirn nicht einmal das Zentrum unseres Wesens, sondern lediglich ein Werkzeug, um Probleme zu lösen. Und durch dieses Missverständnis, dem wir in unserer Kultur erliegen, entsteht diese Phase des Nicht-Wissens, was du willst, überhaupt erst. Wir halten unser Werkzeug (den Kopf) für das Zentrum unseres Wesens und wundern uns dann, dass irgendetwas anderes damit nicht einverstanden ist.

Was du wirklich willst, ist Selbsterkenntnis

Denn, das, was mit deinem intellektuellen Plan nicht einverstanden ist, ist das wirkliche Zentrum deines Wesens.

Manche nennen es Herz, andere Seele oder Intuition. Gleichwohl die Begrifflichkeiten eigentlich unterschiedliche Sachen beschreiben, ist allen eines gemein: rationale Vernunft ist nicht zwangsläufig ein Teil davon.

Und so führt die Frage „Was will ich wirklich?“ dazu, dich als Mensch neu zu definieren.

Auf der einen Seite kannst du dich als Kopf sehen und lebst mit der Leere weiter. Das funktioniert langfristig mit entsprechenden Medikamenten. Fraglich ist allerdings, ob es dem, was du als Mensch hier auf Erden willst, wirklich dienlich ist.

Stell dir vor, du liegst auf deinem Sterbebett; deine Enkelkinder waren gerade noch um dich herum. Sie sind gerade gegangen, die Tür fällt ins Schloss und du liegst allein da. Wohlwissend, dass genau jetzt dein letzter Atemzug stattfindet. Und während du deinen letzten Atemzug in die Welt hinausbläst, zieht dein Leben samt der einschneidensten Entscheidungen durch deinen Kopf, begleitet von einem Gefühl.

Was würde dir da durch den Kopf gehen? Und wie würdest du dich fühlen?

Wenn du das Gedankenspiel intuitiv mit einem guten Gefühl durchlebt hast, dann mach genau so weiter!

Sollten allerdings innerliche Zweifel kommen (die du wahrscheinlich mit rationalen Argumenten zu bekämpfen versuchst), dann solltest du jemanden kennen- und lieben lernen.

Dich selbst.

Tu, was du wirklich willst

Dieser Ausflug in dein Denken über dich selbst ist vonnöten, wenn du eine Antwort auf die Frage haben möchtest, was du wirklich willst.

Mit deinem bisherigen Denken über dich bist du bis zu genau dem jetzigen Punkt gekommen. Albert Einstein sagte einst, dass es Idiotie ist, immer das gleiche zu tun, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Getreu diesem Leitsatz stehst du gerade an einem Scheideweg. Auf der einen Seite das, was du glaubtest zu wollen, aber was dir eine innerliche Leere beschert.

Auf der anderen Seite steht viel Unsicherheit und nur ein Funken eines „das würde ich schon mal gern probieren“ oder ähnliches.

In meinem Leben war es so, dass ich mich dieser Unsicherheit nicht sofort stellen wollte.

Wer will das auch schon?! Da buckelst du jahrelang für irgendein Ergebnis und sollst das dann aufgeben?! Neee, nicht mit mir!

Für mich brauchte es erst den Punkt, an dem ich perspektivisch meinen Arbeitsvertrag hätte haben können und mich die nächsten 40 Jahre in einem Büro sinnlos arbeiten sah.

Da erst fing mein Leben an. Nach ungefähr 3 Jahren, in denen ich mir meiner Leere bewusst war, aber noch nicht gehandelt habe.

Warum ich das erzähle?

Weil mir bewusst ist, dass meine oben beschriebene Tatsache dich vor eine Entscheidung stellt. Jetzt.

Und Druck ist das wahrscheinlich letzte, was du in dieser Situation haben möchtest. Vollkommen zurecht!

Einst lernte ich, dass Veränderung damit beginnt, erstmal nur wahrzunehmen, aber noch nichts zu verändern.

In diesem Sinne heißt „tu, was du wirklich willst“ – mach erstmal genauso weiter wie bisher. Und spiele mit deinen Gedanken „was wäre, wenn …“. Und nimm das als Teil deiner selbst wahr.

Wenn du das tust, wirst du vielleicht an einen Punkt kommen, wo deine Entscheidung gar keine Entscheidung mehr ist, da sich die scheinbar gegensätzlichen Wege vereinigt haben.

Und wenn es nicht so ist?! Dann wirst du mit Sicherheit eine Entscheidung treffen.

Manche Menschen haben nicht die Eier schwere Entscheidungen zu treffen, weil sie lieber richtige Entscheidungen treffen. (Tony Robbins)

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