Vergebung bedeutet, das Ego gehen zu lassen oder über den eigenen Schatten zu springen. Vorallem bedeutet es eines: Das Zurückgewinnen unbedingter Liebe.

Momentan belese ich mich zum Thema Aura und Chakren. Ich will meinen Horizont erweitern und für mich klären, was Quatsch ist und was ich in mein Weltbild aufnehme.

Wie ich gerade mein Buch zur abendlichen Lektüre nehme und beginne zu lesen, stoße ich auf eine interessante Stelle:

„Wenn das Herz geschlossen ist, werden die Energie der 3 niederen Chakren stattdessen zu destruktiven Verhaltensweisen umgelenkt.“

Um dem Ganzen den notwendigen Kontext zu geben: Laut Chakren-Lehre beschäftigen sich die ersten 3 Chakren (die 3 niederen) mit Sexualität, Intimität und Emotionen.

Was Vergebung nicht ist

Egal, ob die Chakren-Lehre nun sinnvoll ist oder nicht (ich verweise auf mein Lieblings-Zitat von George Box: „Alle Modelle sind falsch. Aber manche sind nützlich“), hat mich dieser Satz zum Nachdenken über Vergebung gebracht.

Ich befinde es für ausnahmslos wahr: Wenn mich eine Situation ärgert, bin ich je nach Auslöser in meiner Sexualität, Intimität oder meinen Emotionen gekränkt.

Diese Kränkung ist tatsächlich Energie, beispielsweise Rache.

Kriege ich an der Stelle nicht die Kurve, indem ich vergebend handle, beziehen meine 3 Chakren immer wieder aus der ärgerlichen Situation Energie. Beispielsweise meine Emotionen werden dann aus dieser Situation genährt. Somit erhalte ich den Konflikt am Leben.

Wo sich Vergebung findet

An der Stelle überprüfe ich sofort mein Tun und Handeln auf Vergebung.

Relativ weit vorn auf meiner Liste steht die Beziehung zu meinen Eltern. Einfach aus dem Grund, weil es für mich keine intime, enge Beziehung ist (und das doch so zu sein hat?!).

Ich denke allerdings nicht, dass Vergebung durch den Grad an Intimität ausgemacht werden kann. Du kannst auch einem Autofahrer vergeben, dass er gerade deinem Auto eine neue Kotflügelform verpassen wollte (oder hat).

OK. Was mein Problem mit der Intimität angeht, brauche ich mir zwecks Vergebung keine Gedanken zu machen. Weiter im Text:

Da wäre noch das Herz: Vergebung findet durch das Herz statt. Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht.

Du sagst zu dir selbst: „Ich lasse es los.“ (Den Ärger, die Wut, etc.), musst dein Ego gehen lassen, dein Herz spüren und die verletzten Emotionen verlassen dich, werden transformiert oder wie auch immer du es bezeichnen möchtest.

Auch hier wieder die Frage an mich selbst: Handle ich mit meinen Eltern durch das Herz?

PS: Nach guten 10 Jahren Stress mit meinen Eltern (und emotionaler Vergewaltigung in meiner Kindheit, wie ich finde), habe ich vor 5 Jahren den Kontakt abgebrochen. Heute will meine Mutter wieder Kontakt zu mir. Ich merke allerdings, dass mich das nur belasten würde und frage mich regelmäßig, ob es OK ist, so zu denken.

Natürlich lassen sich 15 Jahre (mein halbes Leben) nicht in 3 Sätzen beschreiben. Aber es wird klar, warum ich wie ein Schießhund darauf achte, aus welcher Motivation ich in Bezug auf meine Eltern etwas tue.

Viel zu einfach ist es, aus Rache oder Vergeltung meine Eltern leiden zu lassen. Und viel zu unscharf der Übergang zwischen der allzeit heulenden Frau, die sich von allen fertig gemacht fühlt und unbewussten Motiven, sie wirklich fertig machen zu wollen.

Denke ich aus dieser Sichtweise an meine Eltern, dann muss ich Vergebung aktiv praktizieren. Es ist schon viel besser geworden, als es einmal war, aber ein Fünkchen Ärger und Rache ist noch immer da.

Warum eigentlich?!

Was Vergebung ist

Ich glaube, dass ich an dieser Stelle finde, was Vergebung ist und warum es so schwierig ist.

Vergebung bedeutet, immer wieder über seinen Schatten zu springen, sein Recht aufzugeben und stattdessen Liebe zu geben.

Die innere Rechnung von Geben und Nehmen wegzuwerfen und keine neue anzufangen.

Und zu wissen, dass wir alle uns nur so gut verhalten, wie wir können. Und nicht besser. Oder perfekt.

Vergebung bildet die Lösung des Lebens. Denn Leben bedeutet zu lernen. Und lernen, Fehler zu machen. Mit Fehlern passiert Ungerechtigkeit. Und diese Ungerechtigkeiten werden aufgelöst durch … Vergebung.

Vergebung ist das einzige, was in diesem Kreis ein Herz benötigt, denn es ist nicht logisch. Lernen ist logisch, genau wie Fehler oder Ungerechtigkeit. Aber Vergebung …

Vergebung ist irrational. Vielleicht sogar menschlich. Auf jeden Fall liebevoll. Und notwendig.

Denn wenn wir alle Teil eines Ganzen sind, wie sinnvoll ist es dann, dass sich das Ganze gegenseitig missmutig beäugt und kritisiert?!

Ich bin der festen Überzeugung, dass Vergebung, im privaten Umfeld praktiziert, Auswirkungen auf die ganze Welt hat.

Doch nicht nur aus diesem Grund schaue ich auch weiterhin kritisch auf mein Verhalten. Denn letztendlich ist Vergebung vor allem eines:

Das Zurückgewinnen unbedingter Liebe.

Titelfoto von Lina Trochez

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